Der Pilger als Archtyp der Veränderung - Bewusster Leben

GEO, PM, und Co. - wo war was zu lesen.
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whiteraven
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Beitragvon whiteraven » 15.07.2009, 08:22

das ist schon alles stimmig....doch sind wir nicht alle Pilger und Weltenwanderer, selbst wenn wir ein Durchschnittsleben führen?

Grenzgänge passieren immer, dazu muß man nicht auf der Wanderschaft sein
circling around the universe on wings of pure light

Gast

Beitragvon Gast » 15.07.2009, 08:26

Dazu mal eine kleine Geschichte von mir...
Der Weg nach Alveron (c) Don Charon
Einst, vor langer Zeit, hörte im Lande Midgard der junge Grimwulf die Geschichte von der Stadt Alveron, die so voller Schönheit sein soll wie kein anderer Ort der Welt. In ihren Strassen seien die Weisesten des Weisen zu finden, das Leben in ihr sei voller Anmut und Harmonie.
Und so entschloss sich Grimwulf, sich auf die Suche nach dieser Stadt zu machen.
Er wanderte viele Jahre durch Midgard und kam schliesslich an eine Weggabelung, an der eine uralte Frau saß, die ihn anschaute, als warte sie auf ihn.
"Frowe, kannst Du mir sagen, welcher Weg nach Alveron führt?"
fragte Grimwulf respektvoll.
Die Alte sah auf und grinste ihn an, wobei sie den einen Zahn entblösste, den sie noch hatte.
"Du suchst die unendliche Schönheit Alverons, Jüngling, eh?"
Sie schaute ihn von oben bis unten an, dann nochmal von unten bis oben.
"Nun, dann höre: Beide Wege führen nach Alveron. Aber den, den Du wählst, das wird der längere Weg nach Alveron sein."
Grimwulf schüttelte obgrund dieser Antwort verwirrt den Kopf und entschloss sich, einfach den Weg zu nehmen, der am Flussufer entlang lief.
"Geniesse Deine Reise!" rief sie ihm nach.
Und so wanderte er weiter... aus Wochen wurden Monate, aus Monaten Jahren...
Und einige Jahre später kam er wieder an die Weggabelung.
Wieder sass die Alte dort, sie war nur noch Haut und Knochen, an ihr sah er deutlich, wie viele Jahre vergangen waren.
"Na, war Deine Suche erfolgreich?" fragte sie Grimwulf mit brüchiger Stimme.
"Nein. Wohin ich auch kam, niemand wusste, wo Alveron liegt. Warum willst Du es mit nicht verraten?"
"Aber ich sage Dir doch: Beide Wege führen nach Alveron. Du hast nur den längeren gewählt. Denn welchen Du auch wählst - es ist der längere."
Mit dieser Antwort war Grimwulf sehr unzufrieden. Wieder schüttelte er den Kopf und beschloss diesmal, dem anderen Weg - dem Weg in die Berge zu folgen.
"Geniesse Deine Reise!" rief sie ihm nach.
Und es vergingen weitere Jahre, in denen Grimwulf durch die Berge wanderte, bis er schliesslich wieder zurück zur Weggabelung kam.
Diesmal fand er nur noch das Skelett der alten Frau, und auf dem Schädel sass ein Rabe.
"Hmmm... Du warst schonmal hier!" sprach ihn der Rabe an.
"Ja... ich bin auf der Suche nach Alveron!" sagte Grimwulf, ehe er den Raben verwundert anschaute. Er schloss die Augen, rieb sie sich und schüttelte den Kopf.
"Grossartig. Ein sprechender Rabe. Jetzt muss ich völlig verrückt sein!"
"*Den* Teil will ich jetzt mal überhört haben!" antwortete der Rabe mit leicht säuerlich krächzender Stimme. "Du suchst also Alveron. Soviel ich weiss, haben sie vor kurzem die Stadt abgerissen und jeder, der dort wohnte ist weggezogen, zu einem anderen Platz."
Grimwulf fiel auf die Knie, Entsetzen und Tränen in seinen Augen.
"Aber wie kann das sein? Ich kann sie doch unmöglich verpasst haben! Ich habe doch solange gesucht!"
"Nur ein Narr sucht die Schönheit die er nicht sehen kann,"
sagte der Rabe und hackte sich ein Stück Fleisch von dem Knochen.
Grimwulf hörte auf zu jammern.
"Ja", sagte er, "ich war ein Narr. Ich habe soviel Schönes auf meiner Reise gesehen, aber es nicht zu würdigen gewusst, weil ich immer dachte, dass doch Alveron um so vieles schöner sein würde."
Er stand auf und ging langsam den Weg zurück, den er gekommen war.
"Danke, Rabe," sagte er, als er wegging.
"Willkommen in Alveron!" sagte der Rabe.

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whiteraven
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Beitragvon whiteraven » 15.07.2009, 12:18

Danke DON
spricht die Rabin :321:
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Gast

Beitragvon Gast » 31.07.2009, 19:51

Hallo

Schon beim Zitat:

whiteraven hat geschrieben:das ist schon alles stimmig....doch sind wir nicht alle Pilger und Weltenwanderer, selbst wenn wir ein Durchschnittsleben führen?


sind bei mir Filme abgelaufen und haben Zustimmungs-Glöckchen gebimmelt. Dann bei der Geschichte von Don sowieso (wunderschön, vielen Dank, Don!)

Hier noch ein Kapitel aus meinem Leben dazu:

Die ersten 30 Jahre, oder sagen wir ab 16, war ich tatsächlich im Aussen ein Weltenbummler, der ein solches aussergewöhnliches Leben führte - erst während den Ausläufern der Hippiezeit, später als Musikerin. Dann war ziemlich schlagartig fertig "lustig", und ich fand mich in einem ungewohnt biederen Leben wieder, als Mutter mit geregeltem Job und Tagesablauf, in einer festen Mietwohnung und vor allem angebunden. Das hat mich jahrelang in ein Auf und ab zwischen Depression und Abfinden gebracht - so richtig glücklich war ich selten mehr.

Anfangs wenigstens noch ab und zu im Getümmel von Konzerten und fremden Menschen, aber es wollte sich je länger desto weniger wirklich Neues ereignen, das mich inspirierte.
Dann kam ich astrologisch in eine 14 Jahre dauernde "Fisch-Phase" und fühlte mich erst recht isoliert. Diese Phase wird in ca. 2 Jahren zu Ende sein. Ich glaube, erst in diesem Frühling habe ich begriffen, was es heisst, wirklich ein "Pilger" zu sein. Vorher hätte ich gesagt: "Ja, schön und gut, aber wie soll das gehen mit zwei Kindern im Schlepptau?"

Während den letzten Jahren tat sich im Aussen also fast gar nichts mehr - ich war auch drei Jahre arbeitslos und hatte erst recht keinen Grund mehr, aus meinem Schneckenhaus zu gehen. Seit einem Jahr arbeite ich zwar wieder, finde aber innerlich den Anschluss nicht, was mir noch nie vorher passiert ist. Aber egal. Ich war diesen Frühling, als die Natur zu neuem Leben erwachte, oft "grundlos" dermassen glücklich darüber, dass alles so ist, wie es ist und dass draussen alles wieder so blüht und die Vögel zwitschern, das könnt Ihr Euch kaum vorstellen.

So wenig, wie sich aussen tut, so viel tut sich in meinem Innern, erst recht, seit mir bewusst geworden ist, wo meine derzeitigen Aufgaben liegen. Der Pilgerweg hat nicht anders als sonst all die Aufgaben gebracht, die halt jeweils anstehen und bewältigt werden wollen. Schliesslich lernt man ja auch aus allem, wenn man will. Und wer sagt, dass immer alles nur angenehm, zerstreuend und leicht sein soll? Die Isolation im Alltag hat auch ihr Gutes - die Welt lässt einen grösstenteils in Ruhe, sodass man Zeit und Musse findet, um in sich hinein zu sinken und die Seele auf Reisen zu schicken. Ab 2005 kam noch das Forum (in all seinen Trennungen und Zusammenlegungen) und jetzt Seelenflug hinzu, wo ich mich über diese Seelenthemen ein wenig austauschen kann - danke Schicksal! Isolation, aber doch nicht auf allen Ebenen. ;-)

Der Pilgerweg liegt nirgendwo anders als in unserem Innern. Und welche Strecke man gerade zurückgelegt hat, sieht man wohl erst, wenn man jeweils wieder auf einer Anhöhe steht und den Ausblick ins Tal hinunter geniesst.

Liebe Grüsse
Hila


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